Evangelische Kindertagesstätte Regenbogen sammelt für Kinder in Indien Kalkutta

Liebe Kirchengemeinde!

In diesem Jahr war ich wieder, wie gewohnt, im Januar/Februar für die German Doctors in einem 6wöchigen ehrenamtlichen Einsatz in Kalkutta. Dort versorgen wir kostenlos die Menschen in verschiedenen Slums in und um Kalkutta medizinisch, die aufgrund ihrer extremen Armut von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen sind.

An den arbeitsfreien Tagen (Samstag und Sonntag) betreue ich mein kleines Schulprojekt, das seit 2009 besteht. Dabei besuche ich jedes Jahr zusammen mit meinen beiden indischen Mitarbeiterinnen Salma und Nissa alle von uns unterstützten Schulkinder des Vorjahres zuhause, "schaue nach dem Rechten" und lasse mir die Zeugnisse zeigen. Damit kontrolliere ich, ob sie noch regelmäßig in die Schule gehen. Dann entscheiden wir, ob die Kinder für das neue Schuljahr (das beginnt in Kalkutta im Februar) wieder unterstützt werden. Die Familien bekommen pro Kind und Schuljahr 40 Euro. Das Geld wird benötigt für Schulbücher, Arbeitsmittel, Schuluniform und für die Anmeldung für das neue Schuljahr. In Indien gibt es zwar die Schulpflicht und auch manchmal staatliche Unterstützung, aber die meisten unserer Familien haben keinen Zugang dazu aufgrund der ausgeprägten bürokratischen Schwierigkeiten und der Unübersichtlichkeit der Slums.

In diesem Jahr konnten wir 387 Schulkinder unterstützen, auch dank Ihrer Spenden. Davon gehen mittlerweile 25 Kinder aufs College, was mich besonders freut. Wenn man sich die Lebensumstände dieser Kinder anschaut, grenzt es wirklich fast an ein Wunder, dass sie so erfolgreich sind. Sie leben zum Teil in winzigen, fensterlosen Hütten (z.T. ohne Strom) und haben dadurch natürlich denkbar schlechte Lernbedingungen. Außerdem müssen manche Kinder nach der Schule bei der Heimarbeit mithelfen. Natürlich sind nicht alle Kinder so erfolgreich, aber jedes Jahr Schulbildung ist für sie ein Gewinn. Und natürlich beenden auch in jedem Jahr einige Kinder aus verschiedenen Gründen die Schulausbildung (einige Familien ziehen weg, manchmal stirbt ein Elternteil und das Kind muss zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, leider werden gerade die Mädchen manchmal sehr früh verheiratet...). In diesem Jahr haben 5 Kinder die Schule abgebrochen, was natürlich für jedes einzelne Kind traurig ist, aber der Erfolg der anderen 387 Kinder stimmt uns froh.

Über die Jahre haben wir auch einige persönliche Kontakte zu manchen Familien geknüpft, Salma und Nissa besuchen die Familien übers Jahr im Rahmen ihrer eigentlichen Sozialarbeiter-Tätigkeit für die German Doctors immer wieder. Die persönliche Zuwendung, auch durch unsere Besuche, tragen sicher auch zum Erfolg des Schulprojektes bei. Wir werden jedes Jahr schon sehnsüchtig erwartet von den Eltern, die oft selbst Analphabeten sind. Die Familien sind sehr dankbar für unsere Unterstützung.

Nun noch kurz eine Information zu den Spenden: sie werden vollständig an die Familien weitergegeben. Wir haben keine Verwaltungskosten. Natürlich bekommen meine beiden Mitarbeiterinnen Salma und Nissa auch ein Honorar als "Aufwandsentschädigung", was sie eigentlich nicht möchten. Aber ein soziales Projekt muss auch den Mitstreitern soziale Bedingungen bieten, deshalb übernehme ich privat die Kosten dafür, sozusagen als mein finanzieller Beitrag für das Projekt.

Auch im nächsten Jahr werde ich wieder nach Kalkutta fliegen und "unsere" Schulkinder besuchen, natürlich bin ich gespannt auf ihre weitere Entwicklung, Sie, liebe Kirchengemeinde, wahrscheinlich auch. Ich werde nach meiner Heimkehr berichten.

Nun bedanke ich mich  im Namen von Salma und Nissa und den Kindern mit ihren Familien für Ihre Unterstützung und grüße Sie herzlich

Dr. Evelyn Seltmann